Informieren, diskutieren, Haltung zeigen – Hochschule Reutlingen veranstaltet Podiumsdiskussion zum Tag des Grundgesetzes

Anlässlich des Geburtstags des Grundgesetzes veranstaltete die Hochschule Reutlingen diese Woche eine Podiumsdiskussion zum Thema Wissenschafts-, Meinungs- und Pressefreiheit. Zahlreiche Studierende, Mitarbeitende sowie Interessierte kamen in der Aula und per Livestream zusammen, um gemeinsam über die Bedeutung demokratischer Grundwerte und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu diskutieren. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Stephan Seiter, Vizepräsident für Forschung und Transfer der Hochschule Reutlingen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Rolle Wissenschaft, Medien und Gesellschaft in Zeiten zunehmender Polarisierung, Desinformation und internationaler politischer Spannungen einnehmen. „Wir wollen insgesamt an der Hochschule mehr Themen behandeln außerhalb des Hörsaals, die sich mit unserer Verantwortung als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie als Bürgerinnen und Bürgern befassen“, betonte Seiter zu Beginn der Veranstaltung.
Für die Diskussion waren mit Prof. Dr. Sabine Döring und Valdo Lehari zwei Gäste eingeladen, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten. Döring, Professorin am Walter Eucken Institut und Freiburg Institute for Advanced Studies (FIRAS) sowie ehemalige Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sprach insbesondere über die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit und deren Abgrenzung zur Meinungsfreiheit. Wissenschaft sei eine „methodisch kontrollierte und institutionalisierte Suche nach Erkenntnis und Wahrheit“ und müsse vor politischer Einflussnahme geschützt werden. Besonders eindringlich betonte sie: „Der Staat hat nicht zu bestimmen, was Wahrheit ist.“
Valdo Lehari, Verleger des Reutlinger General-Anzeigers und Vorsitzender des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger sowie Ehrenpräsident des BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger) und ENPA (European Newspaper Publisher’s Association) richtete den Blick auf die Rolle freier Medien in demokratischen Gesellschaften. Dabei sprach er unter anderem über historische Erfahrungen seiner Verlegerfamilie während der NS-Zeit, die zunehmende Bedrohung von Journalistinnen und Journalisten sowie die Auswirkungen digitaler Plattformen auf die Medienlandschaft. „Wir müssen uns bewusst sein, welche Werte wir haben und dafür kämpfen“, so Lehari. Er appellierte dabei an Gesellschaft und Medien gleichermaßen: „Man darf nicht weichen. Da muss man Haltung haben.“
Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden unter anderem die Auswirkungen sozialer Medien auf öffentliche Debatten, die Verantwortung von Hochschulen als Orte des demokratischen Austauschs sowie der Einfluss internationaler Tech-Konzerne auf Meinungsbildung und Öffentlichkeit thematisiert. Auch aktuelle Entwicklungen in den USA und Europa sowie Fragen rund um Künstliche Intelligenz und digitale Plattformen spielten eine zentrale Rolle.
Besonders intensiv war der Austausch mit dem Publikum. Zahlreiche Studierende und Mitarbeiter brachten sich mit Fragen und Diskussionsbeiträgen ein und thematisierten unter anderem den Umgang mit Populismus, politische Instrumentalisierung, gesellschaftliche Polarisierung sowie die Rolle von Hochschulen im öffentlichen Diskurs. Die Diskussion machte deutlich, wie groß das Interesse an gesellschaftspolitischen Themen und der Wunsch nach offenem Austausch an der Hochschule Reutlingen ist.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, welche Bedeutung Wissenschafts-, Meinungs- und Pressefreiheit für eine demokratische Gesellschaft haben und wie wichtig Räume für respektvollen Dialog und kritische Diskussionen sind.










