10.05.2019 | News

Übernehmen intelligente Assistenten das Ruder?

Studium Generale thematisiert Technikglaube, neue Gottesbilder und technologischen Fortschritt

Prof. Stephan von Twardowski bei seinem lebhaften Vortrag zur Künstlichen Intelligenz. Fotos: Hochschule Reutlingen/Christoph Grohsmann

Christoph Grohsmann

Welche Veränderungen entstehen für den Menschen durch die fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI)? Werden beispielsweise intelligente Assistenten wie Alexa, Siri und Google Home immer mehr die Steuerung unseres Alltags übernehmen? Diese und weitere Fragen diskutierte Prof. Stephan von Twardowski in seinem Vortrag zum Thema „Und was wird aus uns? – Künstliche Intelligenz und das Selbstverständnis des Menschen“.

Die Künstliche Intelligenz ist bereits in vielen Lebensbereichen des Menschen integriert. Dabei soll sie nicht nur in Unternehmen Arbeits- und Produktionsprozesse optimieren, sondern auch viele Lebensbereiche des Menschen vereinfachen. Durch die Nutzung von sogenannten schwachen KI’s, wie Smartphones, intelligenten Assistenzsystemen und Uhren wirken die Optimierungsprozesse direkt auf den Menschen. Darüber hinaus schreitet die technologische Entwicklung so rasant und in teilweise unabsehbarem Ausmaß voran, so Professor von Twardowski, dass die Erwartung steige, die KI könne in Zukunft auch existenzielle und soziale Probleme lösen.

Stephan von Twardowski plädierte dafür, die Entwicklung der KI und die damit einhergehenden Veränderungen für den Menschen sachlich zu betrachten. Aktuelle Diskussionen bewegten sich derzeit ausschließlich zwischen Euphorie und Apokalyptik. Dabei könnten durch eine sachliche und intensive Auseinandersetzung eher sinnvolle Grenzen und Kontrollen gesetzt werden.

Aber was genau ist Künstliche Intelligenz und wie wird sie definiert? Im Vergleich zu Geräten ohne KI, etwa einem Taschenrechner, können KI’s aktuelle mit alten Daten abgleichen. Prof. von Twardowski erklärte: „Die Maschine trainiert sich selbst und verknüpft anschließend diese Daten miteinander.“ Dadurch entstehe ein neuronales System, welches die Grundlage für das so genannte „deep learning“ bilde - „deep“, weil dies außerhalb der Sicht des Menschen stattfindet. Deshalb warnte Prof. von Twardowski vor einem blinden Vertrauen in Algorithmen, denn die neuralen Netze seien so komplex, dass sie schwer vom Menschen zu erfassen sind.

Die technische Entwicklung verändert die unterschiedlichsten Lebensbereiche des Menschen, so Stephan von Twardowski, da seien auch zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu Gott nicht ausgeschlossen. Viele Menschen hätten blindes Vertrauen in neue Technologien und geben der KI eine nahezu gottesähnliche, mächtige Funktion. Über diese veränderten Ideologien, blinden Technikglauben, aber auch überzogene Ängste vor der KI sollte sachlich diskutiert werden. Nur dann kann der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf unseren Alltag realistisch eingeschätzt werden.

Die nächste Veranstaltung des Studium Generale findet am 15. Mai 2019 um 18.15 Uhr zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit“ in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen statt.