26.11.2019 | News

Wie gerecht ist die digitale und globalisierte Welt?

Studium Generale diskutiert Probleme und Lösungen

Prof. Dr. Stephan Seiter bei seinem Studium-Generale Vortrag; Fotos: Hochschule Reutlingen

Von: Christoph Grohsmann

Digitalisierung und Globalisierung beeinflussen alle Bereiche unseres Lebens und bedingen große Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Vielfach ist die Entwicklung nahezu niederwälzend. Aber wie wird diese Entwicklung empfunden und gibt es eine gerechte Lösung? Das diskutierte Prof. Dr. Stephan Seiter in seinem Studium Generale-Vortrag „Digital und global, aber auch gerecht?“.

„Volkswirtschaftslehre sollte man studieren, wenn man auch ein Interesse an Politik besitzt.“ Mit diesen Worten begann Volkswirtschaftler Seiter seinen Vortrag, in dem er immer wieder politische Prozesse miteinbezog. „In vielen Ländern können wir eine Zunahme von populistischen Strömungen beobachten. Aber warum ist das so?“, fragte Seiter. Gründe seien Themen wie Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Migration und Gerechtigkeit, die aktuell die politischen Diskussionen bestimmen. Jedoch sei einem Großteil der agierenden Personen die Definitionen der Begriffe nicht bewusst.

Stephan Seiter definiert Globalisierung als die fortschreitende Integration von internationalen Märkten. Folglich verfolgen Unternehmen das Ziel der Internationalisierung, wodurch der Wettbewerb härter wird und die Anzahl der Güter zunimmt. In dem Zusammenhang nannte Seiter die große Produktauswahl in deutschen Supermärkten. Globalisierungsprozesse gebe es schon länger, jedoch hat sich deren Geschwindigkeit und Intensität durch die Digitalisierung verändert.

„Die Digitalisierung wird oft als die vierte Industrielle Revolution beschrieben“, so Seiter. Der Unterschied zu den vorherigen sei, dass sie nicht die physische Leistung des Menschen ersetzt oder verändert, sondern die geistige. In fast allen Bereichen der Volkswirtschaft könne eine Digitalisierung der Produktionsprozesse beobachtet werden. Dies habe unterschiedliche Folgen: Neben einer Steigerung der Produktivität, flexibleren Arbeitszeiten und neuen Arbeitsinhalten, seien auch neue Geschäftsmodelle notwendig und es finde eine Marktkonzentration der großen Unternehmen statt.

In diesem Kontext stelle sich die Frage nach Gerechtigkeit und was diese überhaupt bedeutet. Seiter stellte Ergebnisgleichheit und Chancengleichheit einander gegenüber und verdeutlichte dies an einem Beispiel aus seinem Berufsalltag: „Stellen Sie sich vor, ich würde allen Studierenden am Ende des Semesters die Note 2,7 geben, egal welche Leistung sie erbracht haben. Da würden sich die engagierten Studierenden ungerecht behandelt fühlen.“ Dies zeige, dass Chancengleichheit ein besseres Instrument sei, um die Gerechtigkeitsfrage beantworten zu können. Daran anknüpfend stellte Seiter verschiedene Grafiken vor, die eine ungleiche Einkommensentwicklung darstellten – höheres Einkommen führt zu höheren Wachstumsraten und großen Verteilungsungleichheiten.

Abschließend resümierte Seiter: Der politische Diskurs müsse über die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch und sozial – geführt werden. Nur dann könne eine gerechtere Lösung gefunden werden. Außerdem müsse die Rolle der Gesellschaft und des Einzelnen klar bestimmt werden. Dabei dürfen politische Entscheidungen nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährden.

Der nächste Vortrag des Studium Generale findet am 27. November 2019 um 18.15 Uhr in der Aula der Theologischen Hochschule statt. Thema ist „Wer gehört zum „Demos“ in der Demokratie?“