14.12.2018 | News, Pressemitteilung, Technik, Forschung

Zukunftsexperte zu Gast an der Hochschule

Lars Thomsen diskutiert mit REZ-Mitgliedern, Studierenden und Gästen zur Zukunft der Energiewirtschaft

Lars Thomsen diskutiert mit Reutlinger Wissenschaftlern und Studierenden Zukunftsfragen in Sachen Energie. Fotos: Hochschule Reutlingen

Von: Kerstin Kindermann

Das Reutlinger Energiezentrum für Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz (REZ) veranstaltete am vergangenen Freitag einen weiteren Reutlinger Energiediskurs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Lars Thomsen, Gründer und Chief Futurist des Think Tanks future matters, hielt dabei unter dem Motto „(R)evolution einer Megaindustrie“ einen fesselnden Vortrag zum Thema „Energie 2.0“. Zu Beginn stellte er die interessante Frage in den Raum, wie ein Zukunftsexperte überhaupt arbeitet.

Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, könne man Analogien bei der Herstellung von Popcorn suchen, so Lars Thomsen. Wer weiß, wie und wann ein Maiskorn zum Popcorn wird, versteht auch, wie Thomsen seine sogenannten „Tipping Points“ ermittelt. Das sind Entwicklungen, die an den Grundfesten von Technologien, Märkten und Geschäftsmodellen rütteln und die stets die Frage aufwerfen, welchen Einfluss sie auf Industrien, Märkte und Marktakteure haben.

Blickt man in die Zukunft der Energiewirtschaft, ist einiges klar: Erneuerbare Energien, Speicher, E-Mobilität und das Lastmanagement auf Seite der Stromkunden werden mehr Digitalisierung und Vernetzung in der Energielandschaft brauchen – und damit gleichzeitig mehr Energieeffizienz fördern. Diese Themen erforscht auch das REZ. Der Begriff des atmenden Energiesystems macht anschaulich, worum es dabei geht.

Lars Thomsen warf daraufhin einen Blick in die nächsten 600 Wochen und förderte dabei weitere interessante Fragen zutage. Zum Beispiel im Bereich Lebensmittelproduktion: Wieviel mehr Energie brauchen wir, wenn wir Lebensmittel auch im „vertical farming“ produzieren? Mit vertikaler Landwirtschaft ist eine tragfähige Lösung gemeint, die eine Massenproduktion pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse in Ballungsgebieten oder Städten in mehrstöckigen Gebäuden ermöglichen soll. Werden wir dazu ein weltumspannendes Übertragungsnetz für Strom benötigen, um saisonal und tageszeitlich einen Ausgleich des schwankenden Energiebedarfs zu ermöglichen? Die Frage in solch einem Fall werde dann sein, so der Zukunftsforscher, wer solche Systeme regeln werde und wer das Interesse, die Ressourcen und die Fähigkeiten dazu habe.

Die Reutlinger Forscherinnen und Forscher nahmen die interessanten Impulse aus Thomsens Vortrag auf. Sie werden auch in Zukunft mit ihrer Arbeit am REZ praxisnah untersuchen, worauf wir uns lokal, regional, national und international einstellen müssen, bezogen auf solche Entwicklungen und die Transformation unseres Energiesystem im Ganzen.