05.04.2019 | Pressemitteilung, Event

Wie Gründer Turbulenzen meistern

Gründen – scheitern – und was kommt dann?

Gründer berichten auf der Re-Startup Night (von rechts): Florian Wiest, Sarah Schäfer, Burkhard Stackelberg, Dave Tjiok, Thomas Rehmet (Leiter des Center for Entrepreneurship). Foto: Hochschule Reutlingen/Scheuring.

Von: Kathrin Engels

Bei der dritten Re-Startup Night an der Hochschule Reutlingen trafen junge Unternehmerinnen und Unternehmer und solche, die es noch werden wollen, in lockerer Runde aufeinander. Mehr als 100 Studierende, Mitarbeitende und Gäste folgten der Einladung des Center for Entrepreneurship, um aus sehr persönlichen Vorträgen über das Scheitern und Wiederaufstehen zu lernen.

Das Scheitern von Geschäftsideen ist häufiger als deren Erfolg. Viele Startups entstehen sogar durch Gründerinnen und Gründer, die bereits negative Erfahrungen durchlebt haben. Auch die Vortragenden der dritten Re-Startup Night haben ihre Fehler erkannt, sind wieder aufgestanden und haben neue Chancen genutzt. Mit ihren Auftritten möchten sie Gründungsinteressierten helfen, Stolperfallen zu vermeiden und ihnen die Angst vor dem Scheitern nehmen.

Als erster Redner überraschte Florian Wiest das Publikum mit gleich drei Gründungen. Als er 2009 an die Hochschule kam, entwickelte er mit dem Modelabel „seelenkleid“ außergewöhnliche Materialien. Doch die Skalierbarkeit ins Große war ein Problem, spätestens seit die prominente Kundin Lady Gaga für Wachstum sorgte. Bei der Entwicklung von Functional Packaging stand ihm die städtische Wirtschaftsförderung zur Seite: Florian Wiest war einer der ersten Mieter in den FirstStep-Containern auf dem Campus. 2012 gründete er eine 3D-Agentur im Reutlinger Gewerbepark. Daneben bildet er in einem einzigartigen Schulprojekt die digitalen Entwickler von morgen aus. Aus seiner Sicht haben die Studierenden viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren: „Das Machen steckt in jedem von uns. Nutzt die Zeit hier, etwas zu tun!“

Eine wichtige Botschaft ganz anderer Art hatte Sarah Schäfer für die Zuhörenden in der Aula. "Wenn aus einer Idee ein Unternehmen werden soll, ist alles erstmal aufregend und neu. Der Start ins eigene Business kann dann schnell zu viel werden. Deshalb fragt euch: Was treibt mich an? Welche Ziele habe ich? Nur dann werdet ihr auf Dauer stabil und nachhaltig erfolgreich sein.“ Die Mitgründerin eines Fitness-Startups merkte irgendwann, dass sie sich nicht wohl fühlte, sich kaum in ihre Kunden einfühlen konnte. Die Kommunikationsmanagerin stieg aus und nahm sich die Zeit, ihre Fehler zu reflektieren und sich zu fragen, was sie eigentlich im Leben will. Das Ergebnis: Sie achtet nun auf „mehr gute Zeit“ in ihrer Arbeit und gibt unter diesem Namen als Beraterin ihre Erfahrungen an andere Unternehmen weiter.

Die Redner Dave Tjiok und Burkhard von Stackelberg begeisterten bereits bei der letzten Re-Startup Night mit ihrem enthusiastischen Auftritt das Publikum. Auch dieses Mal sorgten sie für lautstarke Zustimmung: „Nur, weil du viele Preise bekommen hast, heißt das noch nicht, dass du ein gutes Geschäftsmodell hast.“ Doch ihre Idee vom Entspannungsgetränk „ChillChoc“ haben sie in den letzten Monaten mit Unterstützung des Social Impact Lab in Stuttgart professionalisiert. Heute geben die beiden „Weltverbesserer“ handfeste Tipps an die Studierenden weiter: „Erstens: Teste deine Idee frühzeitig mit Kunden, zweitens: Alleine bist du nie so gut wie im Team und drittens: Fragen, fragen, fragen – deine Kunden und deine Gründungsberater!“ Für die ersten Tests und Produktverbesserungen war das Verkosten auf Messen ein wichtiges Instrument, bei dem sie wertvolle Rückmeldungen bekamen. Außerdem holten sie sich Marketing- und Vertriebsexperten ins Team, die für die Bekanntheit und Verbreitung sorgten. Inzwischen können Feinschmecker das Hanf-Kakao-Getränk in Online-Shops kaufen und damit auch noch Gutes für den Aufbau von fruchtbarem Ackerboden tun.

Nach den interessanten Vorträgen zog es die Studierenden zu den Infoständen junger Unternehmen aus der Region. In angeregten Gesprächen informierten sie sich über deren Angebote, Jobs und Abschlussarbeiten. Auch die Startups nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken. Am Ende waren sich Organisatoren, Unternehmen und Gäste einig: Die Re-Startup Night war eine gelungene Veranstaltung, um die Gründungskultur am Reutlinger Campus zu stärken und Studierende auf Karrierealternativen aufmerksam zu machen.