02.11.2018 | News, Pressemitteilung

Mehr Marathon als Sprint

Start-up Night an der Hochschule informiert und inspiriert zum Gründen

Erfolgreiche Gründer berichten auf der Start-up Night (von rechts): Julius Cichon, Caroline Dabels, Anja Palic mit Thomas Rehmet, Leiter des Center for Entrepreneurship Fotos: Hochschule Reutlingen

Von: Kathrin Engels

Bei der vierten „Start-up Night“ an der Hochschule Reutlingen erfuhren rund 150 Studierende und Gäste Interessantes aus dem Gründeralltag. In Vorträgen und Gesprächen mit 24 ausstellenden Jungunternehmerinnen und -unternehmern wurden nicht nur Erfahrungen, sondern auch viele Jobangebote weitergegeben.

Wer kann sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Und warum sollte man das überhaupt tun? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Besucher der Start-up Night, die am Dienstag bereits zum vierten Mal auf dem Campus stattfand. „Zu wenige haben den Mut, neue Wege zu gehen, vielleicht auch zu gründen“, eröffnete Prof. Dr. Hendrik Brumme, Präsident der Hochschule, die Veranstaltung. Er dankte deshalb besonders den 24 – zum Teil noch sehr jungen – ausstellenden Unternehmen dafür, dass sie an diesem Abend den Studierenden und Absolventinnen und Absolventen mit ihren Erfahrungen Lust auf das Arbeiten in einem Start-up machten.

Diese Begeisterung, für die eigene Sache ins Rennen zu gehen, vermittelten dann drei Gründerinnen und Gründer in interessanten Vorträgen über ihren Unternehmeralltag. Caroline Dabels vom Tübinger Software-Start-up „AmbiGate“ begann überraschend offen: „Es macht mega viel Spaß, sein eigenes Ding vorwärts zu bringen, aber es gibt auch viele Herausforderungen, und die sind nicht für jeden etwas.“ Arbeitsabläufe seien komplett anders, man müsse viele Aufgaben selbst organisieren und erledigen, alles dauere oft länger als erwartet. Als Marketingverantwortliche ist Dabels oft auf Veranstaltungen unterwegs, denn die wertvollen Netzwerkkontakte können viel sein – Sparringspartner, Marktforschung oder der langersehnte Investor. Und auf der Suche nach Geld ist wohl fast jedes Unternehmen, besonders in der Vorgründungsphase.

So viel Erfahrung hat Mode-Produktmanagerin Anja Palic noch nicht, gegründet hat sie vor fünf Monaten trotzdem. Mit dem Label „karokönig ecotailoring“ setzt sie ihre Leidenschaft für Mode in die eigene Unternehmensidee um. Nähte sie als Kind Puppenkleider, designt sie nun in München exklusive Herrenhemden, die ressourcenschonend und plastikfrei in Europa hergestellt werden. Ihr Wissen aus dem Studium „Textilmanagement“ hier in Reutlingen half ihr sehr, heute die eigene Wertschöpfungskette aufzustellen, Lieferanten zu betreuen und hohe Qualitätsansprüche umzusetzen. Für den Aufbau der eigenen Firma hat sie ihren bisherigen Job als Produktmanagerin auf 80% reduziert. Ein häufig praktizierter Einstieg, um Schritt für Schritt Sicherheit gegen Eigenverantwortung zu tauschen.

Die andere Variante ist, schon frühzeitig geschäftstüchtig zu werden. Die beiden Brüder Melikshah und Mengühan Ünver aus Reutlingen verkauften schon als Teenager Produkte im Internet und verdienten so ihr erstes Geld. Im Start-up-Hotspot Berlin angekommen, entwickelten sie eine Datingplattform für Türken und gründeten 2016 die Jobbörse „StartupCVs“. Von dieser Idee war es nicht mehr weit bis zur Entwicklung der Recruiting-Plattform „Taledo“, die sich auf das optimale Matching von Bewerberinnen und Bewerbern und Firmen in digitalen Berufsfeldern spezialisiert hat. Julius Cichon, der an der ESB International Management studiert hat, kannte die beiden vom Campus. Er traf sie zum Probearbeiten in Berlin und kündigte daraufhin seinen sicheren Job, um bei Taledo einzusteigen. Ihn überzeugte die selbstverantwortliche Arbeitsweise, vor allem aber das Team. Denn gerade für Gründerinnen und Gründer ist es unheimlich wichtig, Leute zu finden, mit denen sie zusammenarbeiten, aber auch schwierige Situationen gemeinsam durchstehen kann. Cichon hat sich anstecken lassen von der Leidenschaft der Ünver-Brüder und wünscht sich noch mehr Studierende, die diesem Spirit folgen: „Zu meiner Zeit gab es solche Angebote wie die Start-up Night nicht, nutzt das Angebot und die Freiheit auf dem Campus. Es wäre toll, wenn es wieder mehr Gründungen gäbe!“

So motiviert verteilen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer nach den Vorträgen schnell an den Ständen der Aussteller. Sie informieren sich über die Produkte und Dienstleistungen, probieren VR-Brillen aus und erhalten viele Jobangebote. Und wer jetzt Lust bekommen hat, bei einem Start-up mitzumachen oder gar selbst zu gründen, ist an der Hochschule bestens aufgehoben. Das Center for Entrepreneurship unterstützt Studierende mit Beratung, Workshops, Coworking-Plätzen und hilft bei der Antragstellung für Förderprogramme. Auch das nächste Event wird schon vorbereitet: der Ideenwettbewerb „Move your idea“ am 13. Dezember, bei dem es von einer hochkarätigen Jury wieder Preise für die besten Geschäftsideen gibt.