22.08.2018 | Pressemitteilung, News, Technik

Hochschule Reutlingen bekommt eigene Wetterstation

Erweiterung der Hardware im Projekt „Demonstrator Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb“

Studierende installierten die neue eigene Wetterstation auf dem Dach eines Gebäudes. Unterstützt wurden (v.l.n.r.) Illia Buhaiov, Petr Tugarinov und Oleksii Kiz von Jürgen Maier (zweiter v.l.) von den Hochschul-Werkstätten. Foto: privat

Von: tec/pr-krk, Bernhard Nold, Kerstin R. Kindermann

Das Projekt „Demonstrator Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb“ hat Zuwachs bekommen. Für die zukünftige Energieversorgung werden an der Hochschule in diesem realen Lehr-, Forschungs- und Entwicklungslabor Produkte projektbeteiligter Industriepartner entwickelt, geprüft und optimiert. Das Gemeinschaftsprojekt des Umweltministeriums Baden-Württemberg und der Hochschule Reutlingen ist gleichermaßen Demonstrations- und Testumgebung sowie Lern- und Forschungsplattform für die Studierenden sowie Professorinnen und Professoren am Reutlinger Energiezentrum. 

Nach der Eröffnung durch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller Anfang Februar 2018 wurde jetzt zum Semesterabschluss am 31. Juli auf dem Treppenhaus Ost von Gebäude 4 eine Wetterstation installiert. Während des Sommersemesters hatten die Studenten Illia Buhaiov, Lorenz Hajek, Oleksii Kiz und Johannes Müller in einem internationalen Team an der Wetterstation gearbeitet und einen geeigneten Standort gefunden. Unterstützt wurden sie dabei tatkräftig von den Hochschul-Werkstätten. 

Genau für diese Verbindung von Lehre und Praxis steht die Hochschule Reutlingen und ist weit über die schwäbischen Grenzen hinweg bekannt. Die Projektbeteiligung von Master-Studierenden des Studiengangs „Dezentrale Energiesysteme und –effizienz“ ist Teil des Studiums: „In einzelnen Forschungs- und Entwicklungsprojekten können die Studierenden ihre Abschlussarbeiten durchführen und haben die Gelegenheit, schon die echte ‚Arbeit‘ kennenzulernen, damit sie exzellent für ihren Jobstart vorbereitet sind. Immer unter den Aspekten: Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz“, erklärt Prof. Dr. Frank Truckenmüller, Leiter des Reutlinger Energiezentrums und des Studiengangs „Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz“. Damit partizipieren die Studierenden am Projekt und bringen ihr Wissen nach dem Studium in Firmen ein. Interdisziplinäre Projekte in Zusammenarbeit mit Industriepartnern schaffen nachhaltig Innovation. Für die projektbeteiligten Industriepartner ergeben sich daraus mehrere Vorteile: Sie können sehr gut ausgebildete Masterabsolventen als zukünftige Mitarbeiter rekrutieren und gleichzeitig Mittel einsparen, die sonst für die Entwicklung von neuen Produkten anfallen würden. „Die Besonderheit dieses Projektes ist der Live-Betrieb vernetzter Energieanlagen an der Hochschule“, erklärt Dr. Bernhard Nold. „Die Anlagen auf dem Campus werden von Studierenden mit innovativen Softwarelösungen der Industriepartner angesteuert und getestet. Die lokalen Messwerte der Wetterstation werden in die Steuerung des virtuellen Kraftwerks einbezogen. Damit können witterungsbedingte Heizlasten real abgebildet werden und lokale PV-Prognosen erstellen und validiert werden.“ 

Die Leitwarte des virtuellen Kraftwerks überwacht auf dem Campus momentan zwei Blockheizkraftwerke, eine Adsorptionskältemaschine, zwei Ladesäulen für Elektroautos, eine PVT-Anlage – die gleichzeitig Photovoltaikstrom und solare Wärme gewinnt, eine Wärmepumpe, Speicher und Konvektoren zur Abgabe von Heiz- und Kühlleistung. Die Wetterstation ist nun die nächste Anlage im Virtuellen Kraftwerk. Ihr Aufbau basiert auf der Überarbeitung früherer Wetterstationen der Bereiche Physik und Mechatronik und wurde zusätzlich durch Pyranometer zur Strahlungsmessung erweitert. Gemessen werden Temperatur, Luftfeuchte, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, sowie direkte und diffuse Sonneneinstrahlung. Die Messwerte werden zunächst lokal erfasst und in der Leitwarte des Demonstrators virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb (http://www.virtuelles-kraftwerk-neckar-alb.de/demonstrator/) gesammelt. 

Die nächsten Schritte im Rahmen des Demonstrationsprojektes „Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb“ sind die Vernetzung der Leitwarte mit einer größeren Photovoltaikanlage sowie die Installation von Temperatursensoren in neun ausgewählten Räumen der Hochschule. Mit Hilfe der Raumtemperaturmessungen werden mathematische Modelle der Hochschulgebäude validiert. Ziel dieses Teilprojektes ist, das Potential der Hochschulgebäude als Wärmespeicher zur zeitlichen Verschiebung von Heizlasten zu bewerten. Die Photovoltaikanalage wird momentan unter Federführung des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg von der Firma Ruoff auf den Dächern der Gebäude 3 und 4 der Hochschule installiert. Die Spitzenleistung der insgesamt 792 Photovoltaikmodule liegt bei über 214kWp. Der erzeugte Strom wird als Eigenverbrauch komplett innerhalb der Hochschule verbraucht werden und nicht ins Stromnetz eingespeist.