21.12.2018 | News, Technik

Christbaumkugel tanzen einen Sinus

Physiker begeistern mit ihrer traditionellen Weihnachtsvorlesung

Das Team der Weihnachtsvorlesung (von links): Stephan Pitsch, Karl Lux, Marc Brecht, Karsten Raudzis, Karl-Heinz Dambacher und Kirsten Wegendt (Karin Hehl fehlt auf dem Bild) Fotos: Hochschule Reutlingen

Von: Gundula Vogel

Wenn Christbaumkugel in der Luft schweben oder tanzen und Professoren mit langen weißen Bärten auf einem mit Druckluft angetriebenen Wagen in den Hörsaal düsen, dann muss eine besondere Zeit im Jahr sein. Weihnachten steht vor der Tür und die Fachschaft Technik lädt zusammen mit Professoren und Mitarbeiterinnen zur etwas anderen Vorlesung im Physikzentrum.

Traditionell verabschieden die Physiker Studierende und Hochschulangehörige mit spektakulären, skurrilen und spannenden Experimenten in die Weihnachtspause. So auch am vergangenen Mittwoch. Bis über den letzten Platz hinaus besetzt war der Hörsaal 4-301 im Technikgebäude. Aber nicht nur dort, sondern auch in einem zweiten Hörsaal war das Interesse am abwechslungsreichen Programm zum Jahresende sehr groß. Denn dorthin wurde die Vorlesung per Stream übertragen. Genauso wie ins Internet: Zum ersten Mal überhaupt konnte man die Vorlesung nämlich auch auf der Webseite der Hochschule live verfolgen. Mehr als 300 Neugierige ließen sich dieses Online-Angebot nicht entgehen.

Sie alle wurden Zeugen von insgesamt zwölf überraschenden Versuchen, die das Team Karin Hehl, Kirsten Wegendt, Marc Brecht, Karl-Heinz Dambacher, Karl Lux, Stephan Pitsch und Karsten Raudzis auf sehr unterhaltsame Art und Weise präsentierte. So wie die Christbaumkugeln von Kirsten Wegendt, die – in unterschiedlicher Höhe aufgehängt und gelichzeitig angestoßen – durch ihre unterschiedlichen Pendelbewegungen eine Sinuskurve „zu tanzen“ beginnen. Ebenfalls mit Christbaumkugeln, allerdings sehr viel kleineren und aus Styropor hergestellten, befasst sich auch Professor Stephan Pitsch. Mit Hilfe von Schallwellen lies er die Kugel ganz ohne Weihnachtsbaum in der Luft schweben.

Mit magnetischen Metallkugeln warf Professor Karl-Heinz Dambacher um sich. Diese aber flogen nicht wild durch die Gegend, sondern wurden wie durch Zauberhand von besonderen Geschenken ausgebremst – von unter Geschenkpapier versteckten Kupferplatten. Eine Metallkugel zum Glühen brachte Professor Marc Brecht. Aber nur um den Leidenfrost-Effekt zu demonstrieren: In eine Schale mit Wasser getaucht bildet die Kugel aufgrund des enorm hohen Temperaturunterschieds eine spektakuläre Gasblase um sich.

Professor Karsten Raudzis brachte dann Glas zum Glühen und sogar Schmelzen. Tropft flüssiges Glas in Wasser, härtet es extrem schnell in Tropfenform aus und bildet eine sogenannte Bologneser Träne. Diese Träne ist extrem robust und trotzt selbst groben Hammerschlägen. Nur wenn man sie an ihrer Schwachstelle erwischt, dem dünnen Faden, der sich am spitzen Ende bildet, zerbirst sie in Millionen mikroskopisch kleine Splitter.

Um Pendeleffekte ging es schließlich in den Versuchen von Professor Karl Lux und Karin Hehl. Kehl zeigte wie sich ein Pendel, das an einem Ende ungleich schwerer ist, als am anderen, durch das Wechselspiel von Bewegungs-, Rotations- und Reibungsenergie selbst um eine Holzstange wickelt. Lux ließ mit Hilfe einer Kerze eine Kugel aus Nickel selbstständig pendeln.

Am Ende des launigen Programms wurden dann noch die Sieger des Publikums-Quizes gekürt. Denn zu jedem der Experimente gab es Fragen, die das Publikum im Hörsaal beantworten musste. Die vier besten Rater freuten sich am Ende daher nicht nur über eine äußerst gelungene Veranstaltung, sondern auch noch über kleine Preise.