03.12.2018 | Forschung, News, Pressemitteilung

„Bleiben Sie neugierig“

Reutlingen Research Institute feiert Festakt zum 10-jährigen Bestehen

Prof. Dr.-Ing. Bernd Thomas (links) und Prof. Dr. Stephan Seiter führen sehr unterhaltsam durch die Geschichte von 10 Jahren RRI. Fotos: Hochschule Reutlingen

Von: Lilith Langeheine

Seit einer Dekade wird die angewandte Forschung an der Hochschule Reutlingen unter dem Dach des Reutlingen Research Institute (RRI) gebündelt. Das wurde am vergangenen Donnerstag im Rahmen eines feierlichen Festakts in der Aula der Hochschule gefeiert. In einem abwechslungsreichen Programm, das die Besucherinnen und Besucher sehr kurzweilig in die Geschichte des RRI entführte, gratulierten Vertreter der Hochschule, der Politik und aus der Wirtschaft. Als prominenter Gratulant nahm schließlich Prof. Dr. Dr.-Ing. e.h. Ernst Messerschmid die Zuhörer mit auf eine spannende Exkursion in die Weltraumforschung. Durch das Programm führte Schauspieler und Kabarettist Harry Kienzler, der immer wieder gereimte geistreiche Oden an die Forschung am RRI einstreute.

Zur Begrüßung zeigte sich Prof. Dr. Hendrik Brumme, der Präsident der Hochschule Reutlingen, sehr zufrieden mit der Entwicklung der Forschung an der Hochschule seit Gründung des RRI: „In Forschungs-Rankings haben wir uns von einem anfänglichen Platz im hinteren Drittel mittlerweile auf einen hervorragenden zweiten Platz vorgearbeitet.“ Als Wunsch zum Geburtstag äußerte Brumme eine bessere Unterstützung seitens der Politik für die Hochschulen der Angewandten Wissenschaften. „Um diesen Hochschultyp mit seiner einzigartigen und praxisnahen Kombination aus angewandter Forschung und Lehre beneiden uns viele im Ausland“, schloss der Präsident.

Als weitere Gratulanten sprachen Dr. Utz Remlinger, Vizepräsident am Regierungspräsidium Tübingen, Prof. Dr. Gerhard Gruhler, Vizepräsident der Hochschule für Forschung und damit auch zuständig für das RRI und der IHK-Vizepräsident von Reutlingen Johannes Schwörer zu den rund 150 Gästen beim Festakt.

Utz Remlinger wünschte dem RRI für die Zukunft weiterhin eine so positive Entwicklung und hofft auf viele weitere innovative Entwicklungen und Erkenntnisse. „Bleiben Sie neugierig!“, schloss er seine Rede entsprechend ab. Dem Folge zu leisten dürfte den Forscherinnen und Forschern des RRI nicht schwer fallen.

Gerhard Gruhler hob zu einem sehr persönlichen Dank an. „Ich erzähle jetzt nicht noch mal wie gut wir sind und was wir alles erreicht haben. Stattdessen möchte ich aus tiefstem Herzen Dank sagen an alle, die in der letzten Dekade immer alle Hebel für die Arbeit am RRI in Bewegung gesetzt haben,“ so der Professor, der das RRI seit langem begleitet und maßgeblich geprägt hat.

Launiger Rückblick und spannender Ausblick

Im Hauptteil der Veranstaltungen sorgten dann drei Wissenschaftler für interessante Einsichten in die faszinierende Welt der angewandten Wissenschaften. Zunächst blickten die wissenschaftlichen Leiter des RRI Prof. Dr. Stephan Seiter und Prof. Dr.-Ing. Bernd Thomas auf die Anfänge und die Entwicklung des RRI zurück. Sie taten das auf sehr unterhaltsame Art und Weise: als kurzes Gespräch in der Halbzeitpause des Bundesligaspiels SV Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart. Perfekt als Fans ihrer jeweiligen Teams ausstaffiert, zogen Thomas (Bremen) und Seiter (Stuttgart) im „Halbzeit-Gespräch“ immer wieder amüsante Analogien zwischen Fußball und dem „Team RRI“.

„Peter Nieß, unser damaliger Präsident, hatte die Idee, die Forschung in Reutlingen aus dem Tabellenkeller in die Spitze zu führen. Dafür hat er einen Leiter für das RRI gesucht. Als es einer allein nicht machen wollte, hat er einfach zwei Leute verpflichtet, die zusammen in einen Raum gesetzt und den dann verlassen,“ erinnerte sich Professor Thomas. „Da hätte sonst was passieren können, zumal die beiden aus ganz verschiedenen Vereinen, nämlich der ESB und der Technik, gekommen sind,“ führte Professor Seiter fort.

Richtig Schwung ins Spiel sei dann zunächst durch die Gründung des ersten Lehr- und Forschungszentrums, dem Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik (rbz), gekommen, dann durch das Engagement von Professor Gruhler mit dessen Berufung ins Präsidium der Hochschule, durch die Gründung der übrigen fünf Lehr- und Forschungszentren und schließlich mit dem Bezug neuer Räume. Das RRI sieht sich somit auch für die nächsten mindestens zehn Jahre optimal aufgestellt.

Einen Ausblick anderer Art wagte der prominente Festredner des Abends: Prof. Dr. Dr.-Ing. e.h. Ernst Messerschmid, Astronaut und Weltraumforscher, gab in seinem Vortrag „Vom All in den Alltag“ einen Einblick in seine beeindruckenden Erfahrungen als Wissenschaftsastronaut und brachte den Zuhörern den Alltag im All nachvollziehbar näher.

Ebenso zeigte er die Spuren und Einflüsse der Weltraumforschung, die in unserem Alltag zu finden sind. Von verbesserten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in der Medizin über die Analyse und Bearbeitung von Werkstoffen und deren Bestandteilen bis zur Navigation und Verkehrssteuerung seien viele Entwicklungen erst durch Unterstützung aus dem All, wie beispielsweise Untersuchungen unter den dort veränderten Rahmenbedingungen, möglich geworden. Mit einer der bedeutendsten Erkenntnisse aus der Forschung im All schloss Messerschmid seinen Vortrag: „Rund 90% des Wissens, das wir um den Klimawandel haben, verdanken wir der Weltraumforschung. Anders könnte man die Veränderungen von Wasserpegeln, -strömungen oder Winden auf dem Planeten gar nicht beobachten“, so Messerschmid. Dank dieser Erkenntnisse und der andere Perspektive aus dem All auf die Erde sei die Wertschätzung unseres Planeten und seines Ökosystems deutlich gestiegen.

Fazit des Vortrags war daher auch, dass alle Anstrengungen lohnen, für den Schutz unserer Erde und den Erhalt ihrer Lebensräume zu kämpfen. Dieses Plädoyer werden sich sicher auch die Forscherinnen und Forscher des RRI zu Herzen nehmen und in ihren jeweiligen Fachrichtungen die Herausforderung annehmen, mit innovativen Entwicklungen, Technologien und Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu kämpfen. Denn eins ist sicher: Neugierig werden sie blieben.