23.06.2018 | News, Pressemitteilung

10 Jahre Weiterbildungsstiftung

Hochkarätige Experten beleuchteten das Thema „Digitale Transformation“ beim Festakt

EU-Kommissar Günther H. Oettinger sprach in seiner Festrede über "Digitalisierung Europa und Deutschland". Fotos: Knowledge Foundation

Mit Gästen aus Politik, Industrie und Wissenschaft feierte die Knowledge Foundation, die Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen, ihr zehnjähriges Bestehen. Mehr als 300 Gäste sind gestern der Einladung in die Aula der Hochschule gefolgt. Festredner Günther H. Oettinger erinnerte in seiner Rede an die Verantwortung des Bildungssektors für die Zukunft Europas. Eine Podiumsdiskussion beleuchtete die Themen Digitalisierung, Innovation und Weiterbildung.

„Wir brauchen eine kluge Strategie, um die digitale Revolution mitzugestalten“, sagte Günther H. Oettinger in seiner Festrede. Nach Überzeugung des EU-Kommissars liege das große Potenzial für die Region, Deutschland und Europa in der engen Zusammenarbeit. Sein Credo für den Ausbau lautet deshalb: „Lieber Schlaglöcher als Funklöcher im ländlichen Raum akzeptieren.“ Die Entwicklung von Immobilienpreisen und ganzen Regionen werde in Zukunft noch stärker von der Breitbandanbindung abhängen. Die Chancen Europas verdeutlichte er am Beispiel der europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Sie ermögliche große Fortschritte in der Krebsforschung, weil Patientendaten europaweit gesammelt werden können. Oettingers Appell an die Hochschullandschaft: „Bildungsstätten müssen Weiterbildungsstätten werden.“ Denn angesichts der demografischen Entwicklung komme es darauf an, die Arbeitnehmer fit zu machen für digitale Herausforderungen. „Das ist eine kluge Investition in die Zukunft“, so Oettinger.

Als Moderator führte Christoph Teuner, Chefmoderator des Nachrichtensenders n-tv, durch den Abend. Nebenbei bot er profunde Einblicke ins Fernseh- und Nachrichtengeschäft, das von der Digitalisierung in den letzten Jahrzehnten völlig umgekrempelt wurde.

Einen Impulsvortrag zur „Smarten digitalen vernetzten Welt“ bot Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek von der Universität der Bundeswehr in München. „Jedes zweite Unternehmen war heute schon von einer Cyber-Attacke betroffen“, so die Direktorin des Forschungsinstituts für Cyber Defence. Große Investitionen in die Schlüsseltechnologie Informations- und Kommunikationstechnologie seien daher notwendig, beispielsweise zur Entwicklung smarter Strategien, um gegen smarte Attacken gewappnet zu sein.

In der Podiumsdiskussion standen die Themen Bildung, Ausbildung und Weiterbildung im Mittelpunkt. Einig waren sich die sechs Experten, dass die digitale Bildung schon in der Schule intensiviert werden muss. Die Fähigkeit, selbstständiger zu denken und Innovationen hervorzubringen, soll laut Prof. Dr. Alexander Rossmann, vom Herman Hollerith Zentrum der Hochschule Reutlingen, im Bildungssystem gestärkt werden. Ein wichtiges Merkmal für gelingende Weiterbildung nannte Donata Hopfen, im Aufsichtsrat der Modern Times Group, aus ihrer Erfahrung im Springer-Konzern: „Geschützte Räume sind wichtig zum Lernen.“ Dort können alle Fragen gestellt werden, die im Alltag etwa aus Scham vermieden werden. Dass es auf die Portionsgröße ankommt, betonte Enrico Rühle, Vorstand Festo Didactic. Die Wissensvermittlung innerhalb des Teams sei eine Ressource, die noch selten genutzt werde. Dr. Bernhard Beck, Vorstandsmitglied der EnBW, verwies auf die Angst vieler Arbeitnehmer und Unternehmer, Fehler zu machen. Klaus Hardy Mühleck, Abteilungsleiter Cyber/IT & CIO im Verteidigungsministerium, betonte, dass Eco-Systeme einen starken Einfluss haben – im Silicon Valley herrsche eine Gründerkultur, die viel verfügbares Venture-Kapital bietet und Scheitern als Schritt auf dem Weg zum Erfolg erkennt. Christine Rupp, Partnerin und EXCO-Mitglied der Unternehmensberatung Deloitte Consulting, resümierte die Chance Europas: Wenn die Stärke Amerikas in der Software liegt und Asien stark in der Produktion von Hardware und Mikrochips ist – wo liegt die Chance für Europa? „In der starken Industrie“, lautet ihre Antwort. Denn dort entstehen tagtäglich Unmengen von Daten, deren Aufbereitung einen riesigen Erfahrungsschatz für die Industrie und damit den Wohlstand Europas biete.

Den musikalischen Rahmen und Abschluss bot das Ensemble „CELLOnly“ bestehend aus sechs Cellisten, die klassische bis aktuelle Stücke interpretierten. Der Festakt endete mit einem festlichen Apéro, bei dem die Gäste und Teilnehmenden selbst ins Gespräch zum Zukunftsthema Digitale Transformation kommen konnten.