27.11.2018 | News

Fährt die Künstliche Intelligenz besser als der Mensch?

Studium Generale thematisiert automatisiertes Fahren: Potenziale und Herausforderungen der Zukunftsmobilität

Dr. Ulrich Eberle bei seinem lebhaften Vortrag zum automatisierten Fahren. Fotos: Hochschule Reutlingen/Christoph Grohsmann

Von: Christoph Grohsmann

Wie sicher sind automatisierte Fahrzeuge und welche Veränderungen entstehen für den Menschen durch die fortschreitende Entwicklung? Diese und weitere Fragen diskutierte Dr. Ulrich Eberle in seinem lebhaften Vortrag zum Thema „Automatisiertes Fahren – Ein alter Traum oder die Zukunft der Mobilität?“.

 Der Traum des automatisierten Fahrens ist kein neuer, denn schon 1928 entstand die Idee eines so genannten „Geister-Autos“ ohne Fahrer. General Motors baute diese Idee weiter aus und veröffentlichte 1956 ein Video mit einer Zukunftsvision der Mobilität: Ein Auto, gesteuert von einem Auto-Piloten, das sich an speziellen Fahrlinien der Straße orientiert. Heute lebt diese Idee immer noch weiter, die fortschreitende Technologie ermöglicht jetzt schon fahrerloses Einparken oder einen Stau-Assistenten, wodurch der Mensch dem automatisierten Fahren immer näherkommt.

Die fortschreitende Automatisierung hat nicht nur Vorteile für den Menschen, wie beispielsweise die Steigerung des Komforts oder der Verkehrssicherheit, sondern auch Nachteile, so Eberle: Wenn sich der Fahrer nicht mehr ausschließlich auf die Straße konzentrieren muss, kann er diese Zeit für anderes nutzen, da das System für ihn fährt. Im ersten Moment hört sich das verlockend an, aber Ulrich Eberle warnt, dass der Arbeitgeber diesen Umstand für sich nutzen könnte und den Arbeitnehmer zu Mehrarbeit im Auto verdonnert.

Die aktuelle Diskussion um das Thema verwendet oft das falsche Vokabular, kritisiert Eberle. Begrifflichkeiten wie „autonom“, „selbstfahrend“ oder „fahrerloses Fahren“ werden oft benutzt. Die Automobilindustrie betrachtet dies kritisch, denn sie befasst sich eher mit dem „Automatisierten Fahren“. Hier liegt die Verantwortung noch vorwiegend beim Menschen und nicht bei der Maschine wie beim „autonomen Fahren“. Um in dieseachverhalt Klarheit zu bekommen, unterteilen Experten den Grad der Automation in die Stufen 0 (keine) bis 5 (volle).

Damit die Autos der Zukunft vollständig einsatzfähig sind, ist die Kooperation mit anderen Fahrzeugen immens wichtig und Eberle fordert: „Entweder keine oder vollständige Automation.“ Der Ausbau der Fahrzeugsensorik ermöglicht auch eine erfolgreiche Interaktion der Autos untereinander. Diese sind miteinander vernetzt, kommunizieren untereinander und tauschen Informationen über aktuelle Unfälle o.ä. aus, damit rechtzeitiges Ausweichen möglich ist. Das ist insbesondere für den Stadtverkehr von Vorteil, weil dort nicht nur Autos am Straßenverkehr teilnehmen, sondern auch Fahrradfahrer, Fußgänger oder spielende Kinder. Anders verhält es sich auf der Autobahn, wo die Anzahl der unterschiedlichen Teilnehmer geringer ist und die Systeme Handlungsmöglichkeiten besser einschätzen können.

Auf dem Opel-Prüfgelände in Rodgau-Dudenhofen werden Tests des automatisierten Fahrens bereits durchgeführt. Ein reales Auto wird durch eine Künstliche Intelligenz gesteuert und nimmt an einer virtuellen Streckensimulation teil. Dabei wird getestet wie die Künstliche Intelligenz in verschiedenen Verkehrssituationen reagiert. Mit diesen Tests, so Eberle, werden reale Bedingungen in die virtuelle Welt eingespeist und das Verhalten des Systems getestet. Dabei lernt dieses dazu und kann anschließend besser auf verschiedene Gegebenheiten reagieren.

„Die Automatisierung wird kommen!“, resümiert Eberle am Ende seines Vortrags und verweist gleichzeitig auf technologische und industrielle Herausforderungen, die die Automobilindustrie meistern muss. Die Automatisierung wird dem Menschen in einigen Situationen unterstützen, aber Eberle betont: „Der Mensch ist ein sehr guter Fahrer, wenn er nicht gelangweilt oder überfordert ist.“ Denn durch seine Erfahrungswerte und Intuition ist er der Künstlichen Intelligenz einige Schritte voraus. Dies zu erlernen ist für eine Maschine eine große Herausforderung. Außerdem dürfen die kulturellen und nationalen Unterschiede nicht vergessen werden. Eine hohe internationale Kooperation sei sehr wichtig, damit automatisiertes Fahren nicht nur in vereinzelten Ländern möglich ist.

Die nächste Veranstaltung des Studium Generale findet statt am 5. Dezember um 18.15 Uhr zum Thema „Menschen und autonome Systeme“ auf dem Campus der Hochschule Reutlingen (Gebäude 9, Raum 005).