07.12.2017 | News, Pressemitteilung

Weihnachten – ein Überlebenskampf

Im Studium Generale hat Anna Goeddeke sinnlose Geschenke, Verlustgeschäfte und Todesraten analysiert

Der unterhaltsame Weihnachtsvortrag von Anna Goeddeke bildet den Abschluss des Studium Generale im Wintersemester. Foto: Hochschule Reutlingen/Seng

Von: Bettine Seng

Ausgerechnet im Hochsommer kam Anna Goeddeke mit ihrer Kollegin Laura Birg die Idee, genauer über Weihnachten nachzudenken und die Festtage aus ökonomischer Sicht zu analysieren. Für die Ökonomin und Professorin an der ESB Business School stand dabei der finanzielle Sinn oder Unsinn der Festvorbereitungen und Aktivitäten unterm Weihnachtsbaum im Fokus. Und letztendlich ist nach ihrer Analyse Weihnachten gar nicht so friedlich und harmonisch. Statistisch gesehen kann man froh sein, die Feiertage und ihre Nachwehen zu überleben.

Ganz Ökonomin, fällt der Blick von Anna Goeddeke zuerst auf die Börse: Untersuchungen bestätigen, dass die Aktienpreise kurz vor Weihnachten steigen. Wer also für größere Geschenkanschaffungen noch ein Finanzpolster braucht – um diese Zeit heißt es „verkaufen“! Interessanterweise gilt das insbesondere für den neuseeländischen Aktienmarkt, hier sind die Preise derzeit am höchsten.

Ist die Finanzierung geregelt, so geht es an die ökonomisch rentable Geschenkauswahl – hier kann Anna Goeddeke genau kalkulierte Empfehlungen liefern, aber auch Analysen, welche Geschenke eine Ehe oder die Eltern-Kind-Beziehung belasten könnten. Als Beispiel zeigt Anna Goeddeke auf ihren Kopfschmuck, den sie trägt: einen Haarreif mit zwei lustig wippenden Weihnachtsbaumkugeln, Preis: 7 Euro. Der Kopfschmuck hat ihr so gefallen, dass sie dafür auch zehn Euro gezahlt hätte. Ihre Zahlungsbereitschaft lag über dem eigentlichen Preis und sie ist glücklich, weil sie sogar drei Euro eingespart hat. Ist auch der Verkäufer mit dem eingenommenen Betrag zufrieden, so entsteht für Ökonomen die so genannte Wohlfahrt. Und die entscheidet auch über Harmonie oder Enttäuschung bei der Bescherung. Wer für seine erhaltenen Geschenke keine müde Mark ausgegeben hätte, bei dem entsteht auch ökonomisch gesehen keine Wohlfahrt. Das Geschenk landet irgendwann im Müll und war kein sinnvolles Geschäft. Anna Goeddeke bietet Hilfestellung mit einer Aufstellung der unbeliebtesten Geschenke bei Frauen und Männern: Frauen freuen sich nicht über neue Kochtöpfe, Diät-Kochbücher oder Dekorationsseifen. Männer sind nicht angetan vom Klassiker Schlips, Oberhemd, Socken. Wer das berücksichtigt und kleine, günstigere Geschenke macht, sich dabei gar an einen Wunschzettel hält, macht für Weihnachten die besten Investitionen. Und das kann sogar die eigene Gesundheit retten. Enttäuschungen über Geschenke oder die räumlich beengte Familienkonstellation an den Festtagen kann tödlich sein – Untersuchungen zeigen, dass die Todesrate um Weihnachten herum auffällig steigt, zumindest was amerikanische Forschungsberichte betrifft. Da spielt zum einen der zunehmende Alkoholkonsum eine Rolle, aber eventuell auch innerfamiliäre Konflikte: Morde kommen im Dezember wesentlich häufiger vor als sonst. Und wer nicht ermordet wird, sondern aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus muss, könnte das um Weihnachten herum nicht überleben. Die Todesrate in amerikanischen Krankenhäusern ist in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr am höchsten. Für Deutschland liegen – noch – keine Ergebnisse vor.  Ein Ausgleich zu dieser besorgniserregenden Abnahme der Bevölkerung ist der statistische Beleg, dass um Weihnachten herum mehr Kinder gezeugt werden als sonst.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht, so Anna Goeddeke, scheint Weihnachten in vielen Bereichen ein Verlustgeschäft zu sein. Die Gesundheit leidet. Das zusätzliche Körpergewicht durch Gebäck und Braten verschwindet auch den Rest des Jahres nicht mehr. Da werden teure Geschenke verteilt, die eigentlich unerwünscht sind und letztendlich auf dem Müll landen. Investitionen, die sich nicht gelohnt haben und bei denen keine Wohlfahrt entstanden ist. Die Empfehlung der Volkswirtschaftlerin: kleine Aufmerksamkeiten verschenken und keine überteuerten Luxusartikel, dann ist zumindest der Wohlfahrtsverlust nicht so hoch. Und bei Männern kommt der Gutschein vom Baumarkt immer an!

Oft kann man Menschen mit einem geschickt gewählten Geschenk sogar einiges ersparen und dabei volkswirtschaftlich sinnvoll handeln. Suchkostenreduktion nennt sich das, wenn man seinen Lieben die mühevolle Suche, Anprobe und Auswahl im Laden erspart. Dann sind sogar Oberhemden oder Socken willkommen.