11.09.2017 | News

Vom Reutlinger Campus zum REWE-Chef

Lionel Souque ist Alumnus der ESB Business School. Und seit Juli neuer REWE-Vorstandsvorsitzender.

Von: ESB-PR

1993 macht ein junger Franzose an der ESB Business School seinen Abschluss als Diplom-Betriebswirt. 2017 steht sein Name groß in den Wirtschaftszeitungen: Lionel Souque ist seit Juli der neue Mann an der Spitze der REWE Group, einem der führenden Handels- und Touristikkonzerne in Deutschland und Europa. In einem Interview erfahren wir mehr über den ESB Alumnus, bekommen spannende Einblicke in die Handelsbranche und den Arbeitsalltag eines Konzernchefs:

Herr Souque, Sie sind in Paris aufgewachsen. Was hat Sie nach Ihrem Schulabschluss an die ESB Business School nach Reutlingen geführt? Ich wusste mit 18 zwar noch nicht, in welcher Branche ich einmal arbeiten will, aber ich wollte BWL studieren und raus aus Paris, etwas Neues kennenlernen. Da ich eine deutsche Großmutter habe sprach ich deutsch, also bot sich das deutsch-französische BWL-Studium in Reutlingen und Reims an. Die ESB Business School galt schon damals als eine der besten Adressen für ein Wirtschaftsstudium.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an die Studienzeit in Reutlingen? An erster Stelle natürlich, dass ich meine Frau, die auch an der ESB Business School studiert hat, kennenglernt habe. In Reutlingen sind außerdem viele Freundschaften entstanden. Die ESB verbindet mich bis heute mit Menschen überall auf der Welt. Mit dem Studium verknüpfe ich viel Spaß, aber auch Arbeit. Unter meinen Kommilitonen war ich bekannt dafür, dass ich immer als einer der letzten angefangen habe für die Prüfungen zu lernen – aber dafür saß ich oft bis spät in die Nacht am Schreibtisch!

Was war Ihre Lieblingsvorlesung? Marketing.

Was ist neben dem Fachwissen das Wichtigste, das Sie an der ESB gelernt haben? Interkulturelle Kompetenz und Teamarbeit. Gemeinsam mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zu studieren war für mich sehr hilfreich. Außerdem habe ich damals viel Selbständigkeit gelernt. Zum Beispiel während der Praktika oder in meiner Rolle als Vizepräsident des damaligen Studentenbüros.

Wurde Ihr Interesse für den Handel bereits im Studium geweckt? Ja. Ich habe ein spannendes Praxissemester bei einer Werbeagentur gemacht, die sich auf Handel und Konsumgüter spezialisiert hat. Danach kam ein weiteres Praktikum bei Auchan. Auch in meiner Diplomarbeit habe ich mich mit dem Handel beschäftigt. Was die Branche spannend macht? Die große Vielfalt der Aufgabenfelder, der hohe Wettbewerb und die Dynamik. Da bleibt keine Zeit für Langeweile.

Sie kennen die Branche nun seit über 20 Jahren: Was hat sich über die Jahre verändert, was sind die Zukunftsthemen? Der Markt hat sich über die Jahre konsolidiert: Einige Wettbewerber sind ausgeschieden. Gleichzeitig kommen mit der Digitalisierung aber auch neue Anbieter wie Amazonfresh dazu. Die Digitalisierung verändert auch die Kunden. Es herrscht größere Transparenz, die Kunden sind informierter und legen mehr Wert auf Lokalität, Individualisierung und Vielfalt. REWE beschäftigt daher inzwischen über 1.000 IT-Spezialisten, wir digitalisieren unsere Prozesse und bauen den Online-Handel aus. Neben der Digitalisierung ist die Gewinnung guter Mitarbeiter ein weiteres wichtiges Zukunftsthema. Aufgrund des demografischen Wandels nimmt der Wettbewerb um die besten Leute zu. Und trotz Internet: Der kompetente, freundliche Mitarbeiter im Markt bleibt der wichtigste „Customer-Touchpoint“.

REWE hat 330.000 Mitarbeiter und unterhält 15.000 Märkte in 19 europäischen Ländern. Welche Aufgaben bestimmen den Arbeitsalltag, wenn man ein Unternehmen dieser Größe leitet? So ein Konzern ist schon ein ganz schön großer „Tanker“. Als CEO sorge ich dafür, dass der Tanker führbar bleibt und alle in die richtige Richtung gehen. Ich stelle sicher, dass wir die Dinge nicht nur richtig machen, sondern auch die richtigen Dinge machen. Das bedeutet im Alltag: Viele Sitzungen, viele strategische Entscheidungen. Als Chef darf man sich aber nicht in seinem Büro verstecken. Ich besuche zum Beispiel regelmäßig unsere Märkte und rede mit Kunden und Mitarbeitern, um zu erfahren, was draußen abläuft.
Meine größte Aufgabe als CEO ist meine Rolle als Personalchef: Die besten Leute rekrutieren und dafür sorgen, dass die richtigen Mitarbeiter an der richtigen Stelle positioniert sind - so dass jeder sein Potential voll ausschöpfen und sich auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Ich will eine Art „positiven Druck“ aufrechthalten: Fördern und fordern.

Was sagen Sie heutigen ESB Studierenden und Absolventen, die eine Karriere im Handel anstreben: Welche Qualifikationen sind gefragt? Das Besondere am Handel ist, dass es so viele verschiedene Aufgabenfelder gibt: Für uns arbeiten Metzger ebenso wie Physiker, Immobilienfachleute, Marketingexperten, Finanzexperten, IT-Fachleute, und so weiter. Noch dazu ist REWE ja nicht nur Handels- sondern auch Touristikkonzern, bei REWE sind also sehr viele unterschiedliche Qualifikationen gefragt.

Welche persönlichen Kompetenzen und Soft Skills sind Ihnen bei Ihren Mitarbeitern wichtig? Wir brauchen Mitarbeiter, die nicht nur reagieren, sondern agieren und die sich voll und ganz auf den Kunden konzentrieren. Wichtige Soft Skills sind Flexibilität, Teamfähigkeit, Kommunikation, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen sowie Kreativität. Bei REWE arbeiten Mitarbeiter aus über 130 Nationen, interkulturelle Kompetenz und ein respektvoller Umgang sind bei uns besonders wichtig. Die ESB Absolventen bringen also beste Voraussetzungen mit.

Vielen Dank für das Interview!

 

Interview: Lena Jauernig