19.12.2017 | News

US-Diplomat diskutiert mit Reutlinger Studierenden

Zweiter Besuch des US-Generalkonsuls James W. Herman

Generalkonsul James W. Herman leitet in Frankfurt das größte Konsulat der USA weltweit. Fotos: Hochschule Reutlingen/Müller

Von: Johannes Müller

Miteinander reden und voneinander lernen – so lautet die Devise von James W. Herman, Generalkonsul der USA. In Frankfurt leitet er das größte Konsulat der USA weltweit. In Reutlingen hat er sich gestern mit interessierten Studierenden getroffen. Im überraschend offenen und persönlichen Gespräch war Raum für viele Fragen, persönliche Eindrücke, interkulturelle Erlebnisse, diplomatische und politische Themen sowie ganz menschliche Geschichten.

Wie spreche ich einen Diplomaten richtig an? Diese Frage hat James W. Herman, US-Generalkonsul in Frankfurt, vorweggenommen: „Please call me Jim“, war seine Aufforderung an die Studierenden und Hochschulangehörigen im Hörsaal der Hochschule Reutlingen. Seine Idee von diplomatischer Arbeit: ins Gespräch kommen, dem Gegenüber zuhören und Wertschätzung entgegenbringen. Warum er einen Hut trägt? Weil er schon immer viel draußen war und Hüte einfach liebt. Genauso wie Bratwürste, deutsches Bier, wandern in der Natur und seinen Job. „Was könnte es besseres geben, als jeden Tag unglaublich tolle Menschen zu treffen, die ihre Leidenschaft gefunden haben“, sagte Herman im Gespräch mit den Studierenden.

Das Gespräch mit den Studierenden war der zweite Besuch des Generalkonsuls an der Hochschule Reutlingen. Beim ersten Treffen mit der Hochschulleitung und Vertretern der Hochschule hatte er sich über die Ausrichtung der Hochschule, ihre angewandte Forschung und verschiedene Projekte informiert. Beeindruckt von den Stärken der Hochschule hatte er das Treffen mit Studierenden angeregt.

Als Diplomat lebt und arbeitet Herman seit mehr als zwei Jahrzehnten rund um den Globus. Zuhause ist für ihn, wo er gerade ist – auch wenn er seine Heimat in Hawaii gefunden hat. Der Grundstein seiner Karriere? Er hat sich spontan zum Auswahltest beim diplomatischen Dienst angemeldet und wurde eingestellt – ein Vorteil des flexiblen Arbeitsmarkts in den USA. Während seiner gesamten Laufbahn habe er von der Führungserfahrung aus einigen Jahren Militärdienst profitiert.

Nach eigenen deutsch-amerikanischen Erfahrungen gefragt, erzählte ein amerikanischer Student, dass er im Praktikum den Sinn fürs Detail der Deutschen kennengelernt habe, schließlich kümmerten sich die Amerikaner lieber ums große Ganze. Das Überraschende für den Diplomaten in Deutschland? „Die Deutschen haben Humor.“ Womit das Thema auf lockere Art und Weise beim Bild der Deutschen in der Welt gelandet ist. „Deutschland sollte mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“, so Hermans Meinung. Denn die USA seien nicht mehr der große Bruder für Deutschland, sondern inzwischen handle es sich um Partner auf Augenhöhe. Bei weltpolitischen Themen angekommen, ließen Fragen nach dem Nahost-Konflikt, der UN und Präsident Trump nicht lange auf sich warten. Die Antworten zeigten Hermans diplomatisches Geschick und seine politische Expertise: In Israel zöge jede Entscheidung zahlreiche Folgen nach sich, die schwer abzusehen seien. Präsident Trump erkenne die UN zunehmend als wichtigen Faktor in der Welt und sei wie jeder Präsident auch in einem Lernprozess. „Welche Forderungen oder Wünsche soll ich meiner Regierung überbringen?“, fragte er die Anwesenden. „Seine Versprechen zu halten“, war der Wunsch eines Studenten. Ein Mitarbeiter plädierte darauf, die Austauschprogramme beizubehalten. Damit war ein wichtiges Anliegen von Herman gefunden. Er engagiert sich dafür, dass neben der staatlichen Förderung vom internationalen Austausch auch privatwirtschaftliche Akteure wie Stiftungen und Firmen Verantwortung übernehmen. Und bei Gesprächen wie mit den Studierenden der Hochschule Reutlingen leistet er täglich einen Schritt zum Ausbau der deutsch-amerikanischen Beziehungen.