30.11.2017 | News

Die Vision einer inklusiven Bildung

Inklusionskonferenz blickte auf die Erfahrungen von Schweden, Österreich und Kanada

"Graphic Recording" als weiterer Zugung zum Inhalt der Inklusionskonferenz. Foto: Hochschule Reutlingen

Zum Symposium „Inklusion International“ am gestrigen Donnerstag luden der Reutlinger Landrat Thomas Reumann und Prof. Dr. Gabriela Tullius, Vizepräsidentin der Hochschule Reutlingen, ein. In die Aula der Hochschule kamen mehr als 100 Gäste, darunter Experten und Forscher sowie der Botschafter Schwedens Per Thöresson, der über die Erfahrungen in seinem Heimatland berichtete.

Simultan übersetzt in Gebärdensprache und begleitet vom „Graphic Recording“ – einer Comic-artigen Visualisierung im Großformat – fand die Reutlinger Inklusionskonferenz unter dem Titel „Auf den Weg zum inklusiven Bildungssystem“ statt. Dazu kamen Experten aus Politik, Forschung und Praxis sowie Interessierte und Betroffene in der Aula der Hochschule Reutlingen zusammen. Die Zahl der Studierenden mit chronischer Erkrankung oder Behinderung habe in den letzten Jahren zugenommen, sagte Prof. Dr. Gabriela Tullius, Vizepräsidentin der Hochschule, und betonte damit die Bedeutung des Themas für die Hochschule Reutlingen.

„Jeder Mensch darf an der Gesellschaft teilhaben“, zitierte Landrat Thomas Reumann aus der UN-Behinderten-Konvention, die allen Menschen statt Fürsorge die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben garantiert. Schwedens Botschafter Per Thöresson gab einen fundierten Einblick ins Bildungssystem seines Landes, das in Sachen Inklusion als Musterland gilt. Dennoch verabschiedet das Land neue Gesetze, um aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen und mehr Menschen mit Behinderung den Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen. Auch Österreichs Bildungssystem ist im internationalen Vergleich sehr inklusiv aufgestellt und setzt auf gemischte Lerngruppen. Inzwischen sei auch die Lehrerausbildung inklusiv und unterscheide nicht mehr zwischen Sonder- und Regelpädagogen, betonte Prof. Dr. Ewald Feyerer von der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. In Kanada ist die Unterstützung der Lehrperson im Trend, berichtete Jun.-Prof. Dr. Andreas Köpfer von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. So seien die freiwilligen Helfer in kanadischen Schulen Teil einer ausgeprägten „celebrate Diversity“-Kultur. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern betonte Landrat Reumann, dass der Kreis Reutlingen sich international messen könne und damit ein Vorreiter in Baden-Württemberg sei. Dazu leistet die 2013 ins Leben gerufene Inklusionskonferenz des Kreises einen wichtigen Beitrag.