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31.05.2022 | News

Studium Generale: "Du musst dein Leben ändern!"

Andreas Hofer bei seinem Vortrag in der Aula der Theologischen Hochschule. Foto: Theologische Hochschule Reutlingen

Von Christoph Schluep, Theologische Hochschule Reutlingen

Zur Eröffnung des Studium Generale der Reutlinger Hochschulen für das Sommersemester 2022 (Thema: «Terms of Freedom – welche Freiheit wollen wir?») ist Andreas Hofer eingeladen worden. Er ist Schweizer Architekt ETH und seit 2018 Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27). Hofer hat über die gesellschaftlichen Herausforderungen auf dem Weg in eine Freiheit ohne Wachstumszwang referiert, und die vor allem in architektonischer, genauer städtebaulicher Hinsicht. Dass dabei immer wieder auch politische und soziale Themen angesprochen wurden, liegt in der Natur der Sache.

"Die Stadt der Zukunft ist gebaut" – damit hat der Referent seinen Vortrag begonnen, "und es ist die Stadt, in der wir bereits leben." Er erteilte futuristischen Visionen einer High-Tec-Stadt, wie sie uns aus dem Kino oder der Literatur geläufig sind, eine Abfuhr. Solche Visionen seien viel zu teuer, zu einseitig und vor allem nicht realisierbar, ohne die Städte, wie wir sie heute kennen, dem Erdboden gleich zu machen. Dabei sei es doch das Kennzeichen auch einer modernen Stadt, dass sie sowohl ihren historischen Werdegang wie auch die Diversität ihrer Bewohner widerspiegle. "Ich möchte keine smarten Städte, ich möchte smarte Menschen in den Städten!"

Was dies bedeutet, machte Hofer in der Fortsetzung klar: Dass wir es uns nämlich nicht mehr leisten könnten, so zu leben, wie wir leben. Gerade die Bauindustrie sei ein wesentlicher Faktor in der Emissionsgleichung, und darum gelte es, die Ressourcenfragen intensiv und vor allem auch praktisch zu diskutieren. Mit einem kurzer Blick in die Baugeschichte der Städte zeigte der Referent verschiedene Leitvisionen auf, die sich in den letzten 100 Jahren etabliert und das Bild unserer Städte wesentlich geprägt haben (Gartenstadt, gerechtes Wohnen, urbane Räume uam.) und weiterhin prägen.

Hofer plädierte für ein Überdenken des Vorstellung individueller Freiheit. Es überkomme ihn ein Unwohlsein, führte er aus, wenn er sich Vorstellungen der Freiheit als abgegrenzte Entitäten ohne Kontexteinbindung anhören müsse. Stattdessen sprach er von Metropolitanregionen, die Wohnen und Arbeiten auf eine sinnvolle Art verbinden, um die Tausenden von gefahrenen Kilometern zwischen Arbeitsort in der Stadt und Wohnort an deren Rand zu vermeiden. Clusterwohnraum mit privaten Räumen und kollektiven Einheiten sei eine zukunftsträchtige Wohnform, wie sie sich bereits erfolgreich etabliert haben. Dabei sei es möglich, das Bedürfnis nach Privatsphäre und die Sinnhaftigkeit gemeinsamer Räume zu verbinden. Die Gesellschaft entwickle sich hin auf einen fluiden Zustand, in dem das Kollektive verhandelbar werde. Genossenschaftliches Wohnen ohne durch das Privatkapital festgelegte Besitz- und Machtverhältnisse widerspiegle die soziokulturelle Situation vieler Städte – zumindest in Westeuropa – bedeutend besser als herkömmliche Wohnformen. Dass dabei auch auf den Privatverkehrt verzichtet werden könne, indem Mieter sich verpflichten, auf ein eigenes Auto zu verzichten, weil der öffentliche Verkehrt oder ein gutes Carsharing- Netz dies ermöglichten, sei keine Utopie, sondern in Projekten, die Hofer in Zürich realisiert hat, bereits Wirklichkeit.

Es wird ein langer Weg sein in eine Architektur der gesellschaftlichen und genossenschaftlichen Freiheit und Freiräume, aber Hofer hat eindrücklich gezeigt, dass kein Weg daran vorbei führt – und dass die Ideen bereits ausgearbeitet sind. Es ist zu hoffen, dass die Bauausstellung 2027 wesentliche Impulse gibt für diesen Wandel.