07.02.2019 | News , Textil & Design , Pressemitteilung

Mehr Leben! für die Reutlinger Innenstadt

Das Zukunftspodium von Köpfe für Reutlingen e.V. und der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen im Dominohaus thematisiert Zukunft der Reutlinger Innenstadt

Prof. Dr. Jochen Strähle während des Zukunftspodiums „Mehr Leben! für die Reutlinger Innenstadt.“ Foto: Hochschule Reutlingen

Saskia Groß

Vergangenen Mittwoch fand im Reutlinger Dominohaus ein Zukunftspodium statt. Nach einer kurzen Begrüßung legten die Referenten, Prof Dr. Jochen Strähle (Hochschule Reutlingen), Fritz Haux (Haux Wohntextilien), Matthieu Heinzelmann (Hochschule Reutlingen) und Willi Altenhof (Krams Immobilien) in Initialvorträgen Ihre Sicht auf die Reutlinger Innenstadt dar, und zeigten dabei Herausforderungen, Schwachstellen, Chancen und zukünftige Potentiale für das Stadtzentrum auf. Die Veranstaltung wurde von rund 60 interessierten Bürgerinnen und Bürgern besucht. Auch die Kandidaten der Reutlinger Oberbürgermeisterwahl, Dr. Christian Schneider, Thomas Keck, Dr. Carl-Gustav Kalbfell und Cindy Holmberg besuchten die Veranstaltung. Den erklärterweise im zweiten Wahlgang antretenden Kandidaten wurde am Ende der Veranstaltung die Gelegenheit gegeben ihre Sicht zu den diskutierten Themenstellungen aufzuzeigen.

Der Handelsexperte Professor Strähle führte aus, dass „Innenstädte glücklich machen müssen, wozu es den Handel nicht braucht.“ Die Innenstadt muss ein Ort der Begegnung werden. Der klassische Handel hat seine Kernfunktion verloren und fällt als Treiber der Belebung von Innenstädten aus. Dagegen hielt Einzelhändler und Stadtrat Haux mit seiner Aussage: „Wenn der Handel stirbt, stirbt die Lebensqualität.“ Auch wenn sich der Einzelhandel massiv im Wandel befindet, müssen Wege gefunden werden, um für Kunden wieder attraktiver zu werden. Heinzelmann, Student an der Hochschule Reutlingen, kritisierte, dass die Reutlinger Innenstadt zu wenig bietet um für Studierende als Aufenthaltsort attraktiv zu sein. Vor allem die Mieten sind zu hoch, um dort als Student wohnen zu können. Für die Innenstadt bedeute dies: „Wenn nicht mehr Studierende in der Innenstadt leben, kann die Innenstadt nicht leben“. Altenhof, Geschäftsführer von Krams Immobilien, zeigte mit einer Vision eines Besuchers der Stadt Reutlingen im Jahr 2030 auf, dass „eine gute Stadt wie eine Party ist, die Leute bleiben, weil es Ihnen gefällt.“

In der Konkretisierung ihrer Vorstellung waren alle Vortragenden einig darüber, dass sich die Rolle des Handels in der Innenstadt wandeln muss. Den Herausforderungen der Zukunft gilt es aktiver zu begegnen, denn Überleben werden nur innovativen Konzepte. Zur Verkehrssituation herrscht Konsens: Die restriktiven Vorgaben in Reutlingen seien nicht zeitgemäß. Individualverkehr und ein optimierter Busverkehr seien Voraussetzung einer lebhaften Innenstadt. Diese muss zu einer Stätte der Begegnung werden. Durch Kunst, Freischaffende, Bars und Restaurants könne die Innenstadt als Aufenthaltsort auch für junge Menschen wieder attraktiver werden. Dadurch könnten auch die rund 6.000 Studierenden vermehrt in die Innenstadt gebracht werden. Die Integration des Hochschullebens in die Innenstadt und die Nutzung der Fachkompetenz an der Hochschule wird als zentraler Faktor angesehen. Zudem sollten Erholungsgebiete geschaffen werden. Unter lautem Beifall wurde kritisiert, dass in Reutlingen zu leichtfertig mit Baumbestand umgegangen werde. Um Aufenthaltsqualität zu schaffen, „muss kein Baum weichen“, so Professor Strähle. Coworkingspaces und Start-Ups können die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt bereichern. Die schlechte Außenwahrnehmung der Stadt Reutlingen kritisierten alle Redner. Tübingen wird mit der Universität verbunden, Metzingen mit der Outlet City, Reutlingen mit schlechter Luft. Eine Verbesserung und Schärfung des Profils sei notwendig, denn Reutlingen habe viel zu bieten.

Die Veranstaltung wurde von den Besuchern sehr interessiert aufgenommen. Das hohe Niveau der Diskussion begeisterte, und viele der Besucherinnen und Besucher tauschten sich im Anschluss an die Veranstaltung intensiv, auch mit den OB-Kandidaten, aus.