06.12.2019 | Pressemitteilung , Technik

Landeslehrpreis 2019 und Preis für offene Wissenschaft - Reutlinger Kooperationsprojekt „startLearnING“ wird ausgezeichnet

Unter dem Motto „Lehre – Leistung – Lob“ hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am 4. Dezember in Stuttgart den Landeslehrpreis 2019 verliehen

Edith Wolf von der Vector Stiftung freut sich mit den Preisträgern Prof. Dr. Holger Weitzel, Dr. Martin Binder, Debbie Schwefer (Pädagogische Hochschule Weingarten) und Monika Hennig und Prof. Dr.-Ing. Eckhard Hennig (Hochschule Reutlingen) über die Auszeichnung für das gemeinsame Projekt „StartLearnING zur frühzeitigen Förderung naturwissenschaftlich-technischer Kompetenzen für Lehramtsstudierende, Lehrkräfte und Schulen. Foto: MWK/Jan Potente Fotodesign & Bildjournalismus

von: Kerstin Kindermann

Unter dem Motto „Lehre – Leistung – Lob” verlieh Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am 4. Dezember in Stuttgart den Landeslehrpreis 2019. „Heute geht es um die vielen Lehrenden, die unsere Studierenden täglich mit in neue Wissenswelten nehmen. Sie begeistern mit ihren innovativen und kreativen Ansätzen in der Lehre und bilden die nächste Generation akademisch aus - ob für die Wissenschaft oder für das Berufsleben“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Gleich zwei Lehrende von der Hochschule Reutlingen freuen sich über den Preis für das Projekt “startLearnING”, das von der Vector Stiftung gefördert wird. Monika Hennig und Prof. Dr.-Ing. Eckhard Hennig, Hochschule Reutlingen, wurden für ihr gemeinsames Lehrprojekt mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten ausgezeichnet.

Das Kooperationsprojekt der Hochschule Reutlingen und der Pädagogischen Hochschule Weingarten hat zum Ziel, Arbeitsmethoden der Technik in die Schulen zu bringen und setzt bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften an. Die Lehrkräfte erhalten Materialien mit Konstruktionsaufgaben für die Klassen 3-6 in Baden-Württemberg. Zusätzlich werden die Lehrkräfte beim ersten Einsatz der Materialien von Lehramtsstudierenden und Mechatronikstudierenden für den Einsatz im Unterricht unterstützt. Die Nachfrage der Fortbildungen und Unterrichtsangebote von StartLearnING ist groß. Das Konzept hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg überzeugt und erhielt den Landeslehrpreis. Der Landeslehrpreis wird alle zwei Jahre für herausragende Lehre vergeben. Die Preissumme beträgt 50.000 EUR.

„Technik begegnet uns überall im Alltag“, so Professor Dr.-Ing. Eckhard Hennig. „Und herauszufinden, was man mit Technik alles bewerkstelligen kann, ist absolut faszinierend.“ Gerade Kinder lassen sich in ihrer Neugier und ihrem „Entdeckertum“ leicht von dieser Faszination anstecken. „Das Problem ist, dass das Fach Technik aber in der Schule oft sehr stiefmütterlich behandelt und so viel Potenzial verschenkt wird“, erläutert Hennig. Obwohl Technik Teil des noch jungen Faches Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT) ist, sei die Technik oft nicht sehr gut ausgeprägt, da es nur wenige gute Aus- und Fortbildungen zum Thema für Lehrer gäbe. Oft machen beispielsweise Biologielehrer den BNT-Unterricht, die sich im Bereich Technik nicht firm fühlen und daher auf andere Schwerpunkte setzen.

Genau da setzt das Projekt an: Kinder schon in jungen Jahren für den Beruf des Ingenieurs oder der Ingenieurin zu begeistern und ihnen ein tieferes Verständnis für Technik zu geben. Es verbindet Themen beispielswiese aus der Biologie mit Technik, dazu hat das Team um Monika Hennig Erfinder-Boxen entwickelt, die eine Menge Material und Informationen rund um die konkrete Aufgabe zum direkten Loslegen enthalten, wie ein Erfinderheft oder Hinweiskarten. Der Kooperationspartner, die PH Weingarten, liefert dazu dann ausführliches und einfaches Fortbildungsmaterial für Lehrer, um diese in die Lage zu versetzen, eigenständig mit einer solchen Themenbox ihren Unterricht gestalten zu können. Und in einem einzigartigen Blockseminar, das beide Hochschulen gemeinsam anbieten, werden die Studierenden zu Tutorinnen und Tutoren, die das Projekt begleiten, in Pädagogik wie auch Technik ausgebildet.

Die Zusammenarbeit der beiden Hochschulen leistet einen wertvollen Beitrag dazu, die Berufsfelder Technik und Ingenieurwesen zugänglicher und vielfältiger zu machen. „Gerade auch Mädchen sind bei unserem Projekt mit Feuereifer bei der Sache. Wir beobachten ganz klar, dass sie an die Aufgabe, die wir ihnen stellen, sehr zielorientiert herangehen“, erklärt Monika Hennig. Schaut man aber in die technischen Studiengänge an Hochschulen, sind Frauen immer noch in der Unterzahl.

In der Praxis sieht das so aus: Vor den Kindern auf dem Tisch steht eine Box mit allerlei Alltagsmaterial: Schrauben, Kleberoller, Trinkhalme und vielem mehr. Daraus sollen die Schülerinnen und Schüler eine Schneckenbehausung bauen – allerdings ganz ohne Anleitung oder Muster. Lediglich die Info, welchen Zweck die Behausung erfüllen soll und was eine Schnecke so in ihrer Unterkunft braucht, bekommen sie von Hennig und ihrem Team aus studentischen Tutorinnen und Tutoren. Ziel ist, dass die Jungen und Mädchen problemorientiert arbeiten und jeweils eigene technische Lösungen für die Aufgabe entwickeln. Denn in der Technik, so betont Hennig, sei alles richtig, was am Ende funktioniert. Eine Lösung muss keinem vorgegebenen Muster entsprechen. So werden junge, kluge Köpfe zu Nachwuchs-Ingenieuren.

In diesem Jahr wurden insgesamt sechs Preise an 20 Personen vergeben: Mit fünf Preisen werden besondere Lehrpersönlichkeiten und -konzepte an den Universitäten Freiburg und Tübingen, an der Pädagogischen Hochschule Weingarten mit der Hochschule Reutlingen, an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe, an der Hochschule der Medien Stuttgart und an der DHBW Studienakademie Heilbronn ausgezeichnet. Die Preisträgerinnen und  Preisträger  erhalten ein  Preisgeld in Höhe von jeweils 50.000 Euro. Der Preis für offene Wissenschaft ist ebenfalls mit 50.000 Euro dotiert und zeichnet ein Projekt aus, das in die Gesellschaft nachhaltig wirkt.

„Forschungsbezug, Berufsbefähigung, Digitalisierung und neue Technologien - das sind nur einige Stichworte, mit denen unsere Lehrenden täglich vor neue Herausforderungen gestellt werden. Die nächste Generation von Lehrenden und Fachkräften soll nicht nur hervorragend fachlich gebildet sein, sondern auch ermutigt werden, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger haben diese Herausforderung angenommen und sie mit hervorragenden Konzepten umgesetzt, die praxisorientiert einen Beitrag für Lehre und Gesellschaft leisten. Ich bin stolz, dass wir in Baden-Württemberg so viele engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben“, betonte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Dieses Jahr wird zum ersten Mal ein Sonderpreis, der Preis für offene Wissenschaft, vergeben, der ein Projekt würdigt, das Wissenschaft und Bürgergesellschaft in vorbildlicher Weise verbindet. „Wissen muss auch in der Gesellschaft ankommen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Durch den Transfer in die Zivilgesellschaft und im Dialog mit der Bürgergesellschaft wird Wissen erst relevant und schafft Fortschritt“, so Bauer.

Fotos: MWK/Jan Potente

Weitere Informationen unter www.landeslehrpreis.de