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04.10.11

Ukulele statt Appell

Autor: Juliane Schreinert

Von der kalifornischen Akademie an die Hochschule Reutlingen. Für Samuel Khosravi eine große Veränderung, bei der eines dennoch gleich bleibt: seine Liebe zur Musik

Der Student Samuel Khosravi aus den USA liebt seine Ukulele und die Musik. Foto: Schreinert

Samuel Khosravi studiert in den USA an einer Akademie mit militärischen Wertvorstellungen. Nun ist er für ein Auslandsjahr an der Hochschule Reutlingen und lernt die Kultur kennen, die ihn schon als 10-Jährigen fasziniert hat.

Obwohl der 22-jährige Amerikaner Samuel Khosravi bereits zum 10. Mal Deutschland besucht, ist bei diesem Aufenthalt alles anders. Statt Kurzurlaub heißt es nun Lernen. Für den zweiten Teil seines Studiums International Business and Logistics wird er für ein Jahr in Reutlingen Außenwirtschaft studieren.

Dass sich das Leben an seiner heimischen California Maritime Academy stark von der Atmosphäre an einer deutschen Hochschule unterscheidet, war Samuel nicht nur bewusst, sondern auch ein Anreiz für das Auslandssemester. „An meiner Akademie herrschen militärische Werte, da viele der Studierenden potentiell für die Navy oder Air Force ausgebildet werden. Das bedeutet: Disziplin wird groß geschrieben und es gibt strenge Regeln“, erklärt Samuel. Zu diesen Regeln zählt nicht nur, dass alle Studenten eine einheitliche Schuluniform tragen, sondern auch ein 30-minütiger Fahnenappell, der jeden zweiten Tag stattfindet.

85 Prozent der Studenten sind männlich und für alle gilt: Lange Haare und Bart sind verboten. Die Torwache trifft jeden Kadetten etwa drei Mal im Semester, auch Frauen. Eine weitere Besonderheit der Maritime Academy: Es gibt ein eigenes Trainingsschiff namens „Golden Bear“, auf dem das theoretische Wissen in der Praxis angewendet wird.

Deutsche Musik und Literatur gehören zum Alltag

Das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur wuchs, seit Samuel im Alter von zehn Jahren das erste Mal mit seinen Eltern hier war. „Ich habe schnell gemerkt, dass jegliche Vorurteile gegen Fremde überflüssig sind. Eigentlich seid ihr doch genau wie wir“, sagt der Kalifornier. Da wundert es nicht, dass Samuels Deutschkenntnisse nach etwas mehr als zwei Jahren intensiven Lernens ausgesprochen gut sind. Er begründet dies so: „Durch mein musikalisches Ohr fällt es mir leicht, andere Sprachen zu verstehen und zu lernen. Deutsche Musik und auch deutsche Bücher gehören mittlerweile zu meinem Alltag dazu.“

Ebenso wie die Ukulele. Das kleine Instrument ist Samuels ständiger Begleiter, der ihm vor allem das Kennenlernen neuer Menschen sehr erleichtert hat. Wenn der Kalifornier also auf dem Campus Ukulele spielt und dazu singt, findet sich nicht meist schnell eine internationale Gruppe um ihn herum, die mit einstimmt. „Musik verbindet eben!“, ist sich Samuel sicher.

Und obwohl ihn das Studium in Reutlingen sehr in Anspruch nimmt und auch das Lernen von Wirtschaftsvokabeln immer wichtiger wird, hat Samuel gemerkt, dass er hier entspannter geworden ist. „Es ist alles weniger hektisch. Man nimmt sich mehr Zeit zum Essen und zum Zusammensitzen oder um abends aus zu gehen.“

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