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spotlights 2011: märz

 

Helena Benac, Sabrina Essig (Entwurf u. Layout), Fotostudio Scheuring (Fotografie), Hochschule Reutlingen (Copyright)

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Sechs Antworten zur närrischen Zeit:

- Wo wird es gefeiert? -

Der Karneval findet fast ausschließlich in katholischen, in abgewandelter Form auch in orthodoxen Gebieten statt. Dieses hängt sicherlich nicht nur mit der Fastenzeit zusammen, sondern auch mit dem früher stärker vorherrschenden Katholizismus als Lebensform.

  • Berühmteste Ausnahme ist wohl die Basler Fasnacht.
  • Hochburgen sind also in Deutschland das Rheinland, Rheinhessen, Südhessen, das Münsterland, die Lausitz, Franken (vor allem in der Region Würzburg)
  • und Baden-Württemberg ohne Altwürttemberg und Kurpfalz (Schwäbisch-alemannische Fastnacht), in Luxemburg Diekirch, Echternach und Remich,
  • sowie in der Schweiz Basel und Luzern (Luzerner Fasnacht), in den Niederlanden (in den Provinzen Limburg und Nordbrabant), in Belgien insbesondere das deutschsprachige Ostbelgien.
  • Vereinzelt existiert die Tradition auch auf dem Land in Flandern.
  • Berühmt ist ferner der Karneval in Venedig sowie der Mardi Gras in New Orleans.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert verschwand in den überwiegend evangelischen Gebieten mit dem Aschermittwoch auch die Fastnacht. Eine Ausnahme war Basel, wo die Fasnacht nie dauerhaft abgeschafft wurde. Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde in vielen evangelischen Städten wieder eine Fastnacht eingeführt.

- Wie heißt es denn eigentlich richtig ? -

„Fastnacht“

  • Das Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen werden vor allem in Hessen, Rheinland-Pfalz (Rheinhessen, Mittelrhein und Pfalz), dem Saarland, in Franken, in der Oberlausitz sowie in Baden, Württemberg, Bayerisch-Schwaben, im westlichen Oberbayern, der Oberpfalz, Luxemburg, der Schweiz, Liechtenstein und den westlichen Landesteilen Österreichs mit Südtirol (Alpenraum) verwendet.
  • Regional heißt es in Mainz Fas(s)enacht, in Franken Fasenacht, in der Schweiz Fasnacht, in Baden, Württemberg und Bayerisch-Schwaben Fasnet, regional auch F(a)asent und in Luxemburg Fuesend. Weitere sprachliche Ausprägungen sind Fosnet, Foaset und Fassend.
  • Im niederdeutschen Raum heißt der Karneval plattdeutsch Faslaomt oder Faslam - dabei entspricht der Faslam in protestantischen Gebieten nicht mehr dem, was gemeinhin unter Karneval verstanden wird.
  • Im Großraum Köln wird in der kölschen Mundart auch Fastelov(v)end oder Fasteleer verwendet, während man dort im Hochdeutschen ausschließlich von Karneval spricht.

Volksetymologisch wird das Wort Fastnacht oft an das althochdeutsche fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) angeschlossen und angegeben, der Name bezeichne ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die Woche davor. Am wahrscheinlichsten scheint ein Anschluss an eine indogermanische Verbalwurzel *pwos- mit der Bedeutung „reinigen, läutern, fasten“.

- Oder lieber „Fasching“ ? -

  • Das Wort Fasching taucht im Hochdeutschen bereits ab dem 13. Jahrhundert zunächst in den Formen vaschanc und vaschang auf. Etymologisch leitet sich Fasching, Vaschang vom „Fastenschank“ her, also dem letzten Ausschank (alkoholischer Getränke) vor der damals noch strengen Fastenzeit.
  • Darauf verweist auch die mittelniederdeutsche Form vastgang, beziehungsweise die (spät)altnordische Form fostugangr für den Beginn der Fastenzeit. Die Angleichung an Wörter mit -ing ist deutlich jünger.
  • Vom Fasching spricht man vor allem in Unterfranken - Würzburg (größter Faschingszug Süddeutschlands), Niederbayern und der südlichen Oberpfalz, im Osten Oberbayerns  einschließlich München und Österreich (östlich des Arlbergs) im bairischen Sprachraum.
  • In Sachsen und Brandenburg finden sich zwar verbreitet Karnevalsvereine, das Brauchtum an sich bezeichnet man regional jedoch auch als Fasching. Auch im norddeutschen Raum ist Fasching vielerorts die vorherrschende Bezeichnung für die närrischen Tage.
  • Nördlich der Linie Bonn-Erfurt gibt es in Deutschland fast ausschließlich Karnevalsvereine, die Veranstaltung nennt man hingegen in Sachsen und Brandenburg auch Fasching.
  • Verbreitet bezieht man den Karneval jedoch in erster Linie auf den rheinischen Karneval (siehe: Kölner Karneval, Düsseldorfer Karneval, Bonner Karneval, Eschweiler Karneval, Aachener Karneval, Neusser Karneval).
  • In Deutschland ist der Begriff „Karneval“ erstmals Ende des 17. Jahrhunderts, im Rheinland erstmals im Jahr 1728 nachweisbar.

- Oder doch „Karneval“? -

Die Etymologie des Wortes ist nicht eindeutig geklärt. Die heute geläufigste Vermutung ist die Ableitung vom mittellateinischen carne levare („Fleisch wegnehmen“), daraus carnelevale als Bezeichnung für die Fastenzeit („Fleischwegphase“); scherzhaft ist die Übersetzung von „carne vale“ als „Fleisch, lebe wohl!“ möglich.

  • Der Begriff Karneval findet sich auch im internationalen Sprachraum, wird aber sehr unterschiedlich gefeiert. Karnevaleske Strukturen des Maskierens, Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit lassen sich in allen Kulturen finden.
  • Bekannt sind unter anderem der Karneval in Rio, Karneval in Venedig, der Karneval von Québec, der Karneval in Rijeka, der Mittfasten (Lätare) - Karneval in Stavelot und anderen belgischen Ostkantonen, sowie in Spanien der Karneval von Santa Cruz de Tenerife und der Karneval in Cádiz.
  • Auch in den Südstaaten der USA gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Man verwendet hier die französische Bezeichnung Mardi Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag).
  • Eine ganz eigenständige Vitalität entwickelte der Karneval in Lateinamerika. In Namibia gibt es ebenfalls eine ausgeprägte Karnevalskultur (Karneval in Namibia).

- Wann fängt es an, wie hört es auf ? -

Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen Ländern traditionell der Dreikönigstag. Seit dem 19. Jahrhundert finden in vielen Gegenden zusätzlich am 11. November, ab 11:11 Uhr einzelne Veranstaltungen statt, zu denen insbesondere die Vorstellung des Prinzenpaars gehört.

  • Hintergrund ist, dass auch das Geburtsfest Christi bereits kurz nach dessen Fixierung im Jahr 354 eine vorangehende 40-tägige Fastenperiode vorsah, vor deren Beginn man - wie vor Karneval - ebenfalls die später verbotenen Fleischvorräte aufzuzehren pflegte (Gänseessen am 11. November, dem Martinstag).
  • Den Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom schmotzigen/unsinnigen oder auch glombiga Donnerstag (von Schmotz = Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw. Weiberfastnacht über den Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag bis zum Fastnachtsdienstag.
  • Dabei gibt es insbesondere am Rosenmontag entsprechende Umzüge - wobei sich Rosen ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das Verb rasen bezog. Anderen Interpretationen zufolge verdankt der Rosenmontag seinen Namen dem vierten Fastensonntag, dem Rosensonntag.
  • Die größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz, Düsseldorf, Mönchengladbach, Aachen, Eschweiler, Euskirchen, Erkelenz, Bonn, Koblenz, Krefeld, Duisburg. Aber auch weiter südlich, etwa in Frankfurt am Main oder Karlsruhe und Stuttgart gibt es große Umzüge mit mehreren Hunderttausend Besuchern.
  • In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wird der so genannte Hoppeditz zu Grabe getragen.

- Und wann beginnt die Fastenzeit ? -

Ende des Karnevals ist der Aschermittwoch. Sein Termin hängt insofern unmittelbar von der Lage des Osterfests ab:

  • 325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern.
  • Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch, dem Mittwoch nach dem 5. Sonntag vor Ostern.
  • Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Burefasnacht“ (Bauernfastnacht) und die neue „Herren-“ bzw. „Pfaffenfastnacht“ konkurrierend nebeneinander.
  • Insbesondere im badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der alten Fasnacht erhalten. Am bekanntesten ist davon sicherlich die Basler Fasnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4:00 Uhr mit dem Morgestraich und endet am folgenden Donnerstagmorgen, ebenfalls um 4:00 Uhr.
  • Im orthodoxen Raum beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostern, und bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche - beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders, verschiebt sich auch die Fastnacht.

(Quelle: alle Angaben aus wikipedia.de von Februar 2011)