Auf Großvaters Spuren
Autor: Juliane Schreinert
Chinesische Austauschstudentin erzählt über das Lernen und Leben in Reutlingen
Die 23-jährige Zhimin Jin studiert für ein Jahr an der Hochschule. Ihre Ziele: der Master-Abschluss in Maschinenbau, Deutsch lernen und das Land entdecken, in dem schon ihr Großvater arbeitete.
Über den Tellerrand blicken, eine völlig fremde Sprache und Kultur kennen lernen, den Absprung aus dem elterlichen Nest wagen – dies sind Herausforderungen, denen sich Zhimin Jin in ihrem Austauschjahr an der Hochschule Reutlingen stellt. Die 23-Jährige kommt aus Shanghai und hat dort an der Donghua University, einer Partnerhochschule Reutlingens, bereits den Bachelor-Abschluss in Maschinenbau erlangt. Für den zweiten Teil ihres Masterstudiums hat es sie nach Deutschland gezogen.
Dafür gibt es zwei ganz verschiedene Gründe. „Ich habe mich dafür entschieden, meinen Master hier zu machen, weil der Maschinenbau einen sehr guten Ruf hat. Außerdem wollte ich gern das Land kennenlernen, in dem bereits mein Opa zwei Jahre lang gelebt und als Qualitätstechniker gearbeitet hat“, erzählt Zhimin.
Schon in ihrer Kindheit hat sich Zhimin, die von ihren Freunden Winnie genannt wird, für Technik interessiert. Mathe machte ihr mehr Spaß als Sprachen zu lernen und da ihr Vater ebenfalls als Ingenieur arbeitete, stand der Berufswunsch früh fest. Doch seit einem halben Jahr kann sie sich auch dafür begeistern, Deutsch zu lernen - um ihren Horizont zu erweitern und mehr von der Welt zu verstehen. Obwohl sie das erste Mal für einen längeren Zeitraum von zu Hause weg ist, kann die Gaststudentin gut mit Heimweh umgehen.
Videotelefonat gegen Heimweh
Jeden Abend treffen sie und ihre Familie sich zu einem Videotelefonat, sodass Zhimin vor dem Laptop im Wohnheim plötzlich ganz nah an ihren Lieben in Shanghai ist und von den vielen neuen Erlebnissen berichtet. Aber sie genießt auch ihre neu gewonnene Freiheit. „Es ist ungewohnt, auf eigenen Beinen zu stehen, aber ich liebe es, mich ausprobieren zu können! Alleine kochen, Dinge organisieren, mich in einer fremden Umgebung zurechtfinden – ich habe schon so viel für mich gelernt, was mein Leben in Shanghai verändern wird“, so Zhimin.
Und auch die deutsche Kultur hat es der jungen Chinesin angetan. So besuchte sie bereits das Oktoberfest und staunte über die vielen tanzenden und lachenden Menschen in traditioneller Kleidung und auch die Reisen zum Bodensee, nach Heidelberg und Konstanz haben Zhimin beeindruckt. „Die deutsche Architektur ist wirklich toll. Schloss Neuschwanstein ist wie aus einem Märchen entsprungen!“
Doch die Architektur ist nicht das Einzige, was sich hierzulande stark von ihrer Heimat unterscheidet: An deutsches Essen muss sich Zhimin erst noch gewöhnen. Auch die starken Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages haben sie überrascht. Dafür freut sich die Studentin über die Berge in Reutlingen, den grünen Campus und die frische Luft. „In Shanghai hat es nicht viel gebracht, nachts das Fenster offen zu lassen. Hier in Reutlingen schlafe ich viel besser“, lacht Zhimin.
In welchem Land sie nach dem Studium wohnt, möchte Zhimin jetzt noch nicht entscheiden. Eines steht für sie trotzdem fest: „Einmal für einen berühmten deutschen Autokonzern zu arbeiten, wäre ein Traum.“
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